Félix d’ Hérelle war während des ersten Weltkriegs ein berühmter Wissenschaftler. Er war 44 Jahre alt. Er hat etwas entdeckt, das Bakterien tötet. Hérelle nannte die Organismen Bakteriophagen. Der Name stammt von zwei altgriechischen Wörtern: βακτήριον baktérion und φαγεῖν phageín, d.h. ‘fressen’. So wurde der Organismus als Bakterienfresser bezeichnet.

Félix d’ Hérelle wurde 1873 in Kanada geboren. Nach dem Tod seines Vaters, lebte er in Paris mit seiner Mutter. Er studierte in Paris und danach in Bonn. Aber für seinen lebenslangen Beruf, Mikrobiologie, war er Autodidakt. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte er sich mit der Gärung von Ahornsirop und der Herstellung von Whisky aus Bananen. Auch kämpfte er gegen eine Heuschreckenplage in Südamerika, gegen die er einen bakteriellen Feind der Heuschrecken untersuchte und einsetzte.

Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Hérelle am Pasteur-Institut in Paris. Er untersuchte die Mikrobiologie von Patienten mit Dysenterie (Ruhr). Die Dysenterie hatte sich mit Shigella Bakterien ausgebreitet. Hérelle isolierte mit einem feinen Filter ein unsichtbares Extrakt, das die Bakterien töten konnte. Er schrieb eine inzwischen berühmte wissenschaftliche Abhandlung über die Substanz. Er fuhr fort, ähnliche Extrakte zu werwenden, um gegen Typhus und Pest zu kämpfen.

Hérelle nutzte sein neues unsichtbares Extrakt in der ganzen Welt. Er fuhr nach Egypten und Indien, und reiste in die Vereinigten Staaten sowie nach Russland. Aber er war sich nie sicher, was sich in dem unsichtbaren Mittel befand. Erst nach der Entwicklung des Elektronenmikroskops wurde die Lösung des Rätsels gefunden.

Die Entwicklung von Antibiotika hat alles verändert. Ein bestimmter Phage kann nur ein bestimmtes Bakterium töten. Die Antibiotika, z.B. Penicillin, können einfach alles töten. Aber jetzt haben sich die Bakterien verändert und sind resistent gegen die Wirkung von Antibiotika.

Hérelle starb 1949 in Paris. Seine Phagetherapie wurde in den meisten Teilen der Welt verworfen. Antibiotika wurden die bevorzugte Behandlung. Aber wir kennen jetzt die physische Form der Phagen. Diese kleinen Mörder betrachten gewisse Bakterien als Futter. Jeder Typ der Phagen bevorzugt andere Typen von Bakterien. Forscher haben “Bibliotheken” von Phagentypen gesammelt. Sie können nun ein böses Bakterium mit einer Gruppe von Phagen paaren. Es ist nur Geschmacksache welche der Phagen dem bösen Bakterium als Nahrung schmeckt! Und das gibt neue Hoffung, um die sogenannten multi-resistenten Keime zu bekämpfen.